Unterricht 2.0

Früher war doch alles besser. Und einfacher. Vor allem einfacher.
Vor allem Schule. Zumindest habe ich das Gefühl.
Vor meiner ersten Unterrichtsstunde waren meine größten Probleme: Habe ich einen funktionierenden Polylux zur Verfügung? und Kann die letzte Reihe mein Gekritzel an der Tafel auch noch ordentlich lesen?
Letztere Sorge resultierte darin, dass ich viel zu groß geschrieben habe und nicht alles wie geplant auf die Tafel gepasst hat. Der Polylux hat auch einwandfrei funktioniert. Er war nur dreckig. Aber ansonsten. Alles gut.
Im Verlauf des Studiums kamen mehr Unterrichtsstunden hinzu, aber das größte Problem, die Konstante quasi, blieb immer der Polylux. Ich bin eben altmodisch und schreibe gerne an der Tafel. In Mathe auch nicht weiter verwunderlich und hoffentlich auch immer noch Standard.
Jetzt stand nun die erste Informatik-Stunde an.
Die Schule ist technisch auf dem neusten Stand. Das Polylux-Problem hat sich damit also quasi erledigt. Nein, er wurde nicht abgeschafft. Er steht immer noch schön brav als Staubfänger im Klassenraum. Er ist dank SmartBoard mit Beamer und anderen technischen Raffinessen schlichtweg überflüssig. Ich hab nicht einen Gedanken daran verschwendet, ob das Teil überhaupt funktioniert.
Dafür habe ich mir über allerlei andere Sachen Gedanken gemacht. Sachen, die mich bei anderen Unterrichtsstunden nicht die Bohne interessiert haben. Ja, Sachen, die mir bis dahin nicht mal ansatzweise in den Sinn gekommen sind.
Das Worst-Case-Szenario, das mir dann irgendwie in den Sinn kam: Was mache ich bei Stromausfall?
Da funktioniert ja gar nix! Nicht mal der Polylux! Warum habe ich da bei anderen Stunden noch nie drüber nachgedacht? Achso, ja. Weil die Wahrscheinlichkeit eines Stromausfalls verglichen mit der Wahrscheinlichkeit, dass der Polylux kaputt ist (oder zu meiner Schulzeit nicht im Raum vorhanden), verschwindend gering war.
Okay, ein Stromausfall ist immer noch sehr unwahrscheinlich, aber wie beschäftige ich die Bande dann? Dann können sie auch nicht mal Videos auf Youtube gucken oder auf Facebook…was auch immer die auf Facebook halt machen. Dann stören sie womöglich meinen Monolog mit Zwischenfragen, weil sie gezwungen sind zuzuhören! Nein, gut. Sie hören mir natürlich immer aufmerksam zu und ich bin für jede gestellte Frage, die zum Thema passt, dankbar.
Also streichen wir den Stromausfall. Kmmen wir zu realistischeren Problemen.
Früher hatte man nur seine Arbeitsblätter, ggf. schöne, liebevoll handgemalte Folien für das Enfant terrible des Unterrichts und als Anfänger noch seine Verlaufsplanung in mehr oder weniger ausführlicher Form. Die Tafelbilder sind auf A4-Blättern vorbereitet. Zettel sind groß und somit schwer zu übersehen, wenn man einen zumindest halbwegs aufgeräumten Arbeitsplatz hat. Ergo: Schwer zu vergessen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass man auf dem Weg zur Stunde alle Zettel schrottet, ist doch eher gering. Das wäre dann schon höhere Gewalt und die würde einen höchstwahrscheinlich komplett davon abhalten, die Unterrichtsstunde überhaupt zu halten.
Heute ist, mal abgesehen von den gedruckten Sachen für die Schüler, alles digital. Aus einem kleinen, leicht zu übersehenden USB-Stick, den ein einziger, gezielter und unglücklicher Fußtritt ins Nirvana befördern kann. Oder zumindest in die Temporär-nicht-zu-gebrauchen-Zwischenwelt. Oder die Daten sind beim Kopieren irgendwie kaputt gegangen. Oder der Computer erkennt den USB-Stick nicht. Vorsichtshalber habe ich meine Präsentation heute noch bei Dropbox hochgeladen, um den Risikofaktor auszuschalten. Völlig absurd, da bis jetzt immer alles gut geklappt hat und mein Stick sogar einwandfrei SUN-kompatibel ist. Aber naja. Better save than sorry. Ich könnte ja immerhin noch ganz tollpatschig drauftreten.

Geklappt hat am Ende alles einwandfrei. Zumindest von technischer Seite. Es lief auch sonst alles weitestgehend wie geplant. Die Sache mit „Hat ein Pixel eine feste Größe j/n“ war nicht ganz perfekt, aber ich übe ja noch. Einer der Schüler hat mich echt zum Staunen gebracht mit seinen Antworten. Der Wahnsinn. Alles richtig! Ein Schelm, wer jetzt Böses denkt. Die sind alle clever. Aber es ist ja doch immer so eine Sache, die Schüler auch dazu zu bringen, dass sie auch mal mit ihrem Wissen glänzen. Ganz besonders, wenn die Gedanken eigentlich schon bei der wichtigen Arbeit sind, die in der nächsten Unterrichtsstunde geschrieben werden soll. Und nicht zu vergessen die Premiere, dass alle da waren! Auch sonst war die Stunde eine schöne Erfahrung und hat mich wieder darin bestätigt, dass das genau das ist, was ich machen will.

Yours, Aly

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